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Es hat sich ausgekotzt

CU, T.-N.-M.-A.

Bis letzte Tabus fallen

„BIS LETZTE TABUS FALLEN

Die Schatten von Polemik und Propaganda lassen ahnen,
wo die Sonne steht, in dieser Diskussion, die längst weiter ist,
als die Fakten, welche hier anscheinend nur störend relativieren.

Steile Thesen teilen sich leicht.
Belegt in Capslockhits und Ausrufezeichen.
Aber lasst uns doch mal sehen, in wessen
abstiegsangst- und verlustgebleichten Hinterteil
das „Barometer der gefühlten Bedrohung“
virale Xenophobie diagnostiziert.

Selbstgerecht stampfend, schreiend, per Opferrolle rückwärts auf den Arm.
Hastig saugend am kollektivwunden Daumen
(dämmern die Lider selig im Maikäfersingsang),
kannst du noch so versuchen, aalglatt nicht greifbar zu sein.
In der Sardinenbüchse rhetorischer Einfältigkeit.
Aber rassistisch ist, wer rassistisches tut (denkt, spricht).
In der Pralinenschachtel übrig ist realer Anschauungsunterricht
in: „Wie konnte das bloß damals passieren?“

Der Waffenreicher, Steigbügelhalter ihr schlechtes Gedächtnis,
schnaufende Nüstern paradieren auf dem Teppich
eines prätentiös ausgerollten Wiegenliedes irgendeiner Nation.
Stiehlt dem Kanon der Freiheit darunter seinen letzten Ton.

Bis letzte Tabus fallen und Faschisten sich stolz selbst so nennen,
mahnen uns die Toten, dass es keinen Unterschied macht,
wer unter welcher Selbstbezeichnung ihre Mörder legitimiert.

Wo Macht und Angst sich proportional nähren,
im Fressneid um (von wem nochmal?) portionierte Tröge,
mögen kläffende Hunde nicht beissen.
Das ist lang noch kein Grund ihnen sanft den Kopf zu streicheln.

Denn der Blick vom Halsband die Kette hinauf
endet im Dunkel eines Laufs, gerichtet auf
Empathie und Menschlichkeit, Toleranz, Vielfältigkeit.

Wer glaubt „Deutsche zuerst!“ interpretieren zu können,
der glaubt auch, es fehle an Wissen oder Verständnis von Argumenten,
um dieses Genovese-Syndrom zu beenden.
Aber das Problem ist, du bist nicht dumm,
sondern egozentrisch und intolerant.
Und ich nicht der Erklärbär,
sondern nur Beispiel für „The Truth is out there“.
Flaggenwedelnd im Leopard 2 mit neun
und heute stehe ich ich hier.“

- KOTZEN, 24/09/2017

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Dieser Tage anlassbezogen

„…in geschlossener Gesellschaft werden Gesamtgesellschaftsentwürfe skizziert…“

„Mit Rotstift gegen Schwarzmalerei“ in der 2007er Akustik-Version oder für die Punkpurist_Innen hier

G 20 – D E L E G I T I M I E R E N !

Internationaler Frauentag

„Es gibt keine Jungs- oder Mädchenfarbe! Und auch nichts, was Mädchen nicht versuchen sollten, was Jungs versuchen und wenn du meine Unterstützung brauchst, bin ich für dich da!“ Ich wüsste nicht, warum, was für meine kleine Tochter gilt, nicht für alle Frauen/Geschlechter gelten sollte.
Alles Beste zum 8. März!

Und als Erinnerung (in diesem Fall für „uns“ Männer), wie der Beginn einer Unterstützung aussehen kann, hier nochmal das Motiv eines Patches, den wir vor einiger Zeit mal hatten:

Interview Plastic Bomb

Ich habe im Sommer diesen Jahres dem Plastic Bomb/Stemmen ein paar Fragen beantwortet. Nachzulesen jetzt auch hier.
t.

Wenn die Nacht am tiefsten ist…

Angestoßen von der gerade erschienen Blackbox
zum 20. Todesjahr von Rio Reiser, hab ich mal die Coverversion
der 90er Screamoband unseres Schlagzeugers Nico (am Mikrofon!!), TAVOR, hochgeladen:

„Wenn die Nacht am tiefsten ist…“ (Ton Steine Scherben – Cover / TAVOR)
Hammersong! Hammer(Live)Version!

[FYI] Sprache, Denken, Handeln…

…., das hat unserer Meinung nach Einiges miteinander zu tun.

Ein beliebiges Suchergebnis zu „wie sprache unser denken beeinflusst“ zeigt da bereits warum. Das kann natürlich durchaus positiv genutzt werden, aber problematisch wird es bei diskriminierender, verachtender Sprache /HateSpeech.

Da das Thema in unserer jüngeren Vergangenheit auch im Kontakt mit anderen Bands wiederholt aufkam, haben wir uns entschlossen ein paar Worte und Gedanken dazu zu veröffentlichen.

Denn wenn HateSpeech nicht sich selbst zum Thema hat, sondern im assozierten Sinne verwendet wird, dann ist die Gefahr groß, dass dem Tabubruch eine Gewöhnung und der Eingang in die eigene Sprache folgt.

Bei einem Titel wie z.B. „Nazi-Cunts“ von UK Subs scheint wahrscheinlich allen klar, wie es gemeint sein soll: als „Arschloch“-Wort-Ersatz. Nazi-C*** soll im gesteigerten Verbalradikalismus „Nazi-Arschloch“ bedeuten. Das zeigt, dass das Wissen um die negative Bedeutung des Wortes vorhanden ist: als Beschimpfung, als Degradierung. Und auch wenn es auf Englisch bereits metaphorisiert vorkommen mag und es deshalb vielleicht leichter über die Lippen kommt; es heisst weiterhin „Fotze“ (um es einmal in seiner Krassheit vor Augen zu haben). Mit all seiner ihm zugewiesenen, aufgeladenen Bedeutung. Als abwertende Reduktion auf das (weibliche) Geschlecht (degradierte Frau, gemeint als schwach). Ein solcher Text begegnet einer Diskriminierung mit einer anderen Diskriminierung. Das kann`s nicht sein, das kann nicht funktionieren!

Im wenigsten schlechten Fall soll die Verwendung solcher Sprache „ironisch“ gemeint sein. Also als Wort, um dessen No-Go man(n) weiß und es im täglichen Sprachgebrauch selbst nicht verwendet; es aber in diesem Fall tut, weil angenommen wird, dass es das Gegenüber größtmöglich beleidigt. Im schlechtesten Fall, weil man(n) es selbst in diesem Degradierungs-Zusammenhang in seinem Wortschatz verwendet. Gleiches soll wohl mit der Textzeilen-Ergänzung „gay“ nazi-c*** geschehen, weil man(n) annimmt, dass es Nazis noch mehr beleidigt, zusätzlich zur „F****“ auch noch homosexuell (als angenommenes Synonym für schwach/unmännlich) zu sein.

Ich hatte Unterhaltungen, in denen ich das Wort „Wixer“ als gemeintes Schimpfwort kritisiert habe, weil meiner Meinung nach durch die Verwendung in diesem Sinne seine negative Konnotation manifestiert wird. Vielleicht kann man(n) versuchen das Wort positiv, bzw. als „normal“ zu belegen?! Das stünde mir aber (wenn es überhaupt sinnvoll wäre) nur bei Sprache mit (und im) Selbstbezug zu. Bei einem Wort wie „F***“ verbietet es sich mir als Mann von Anfang an gänzlich, dies durch Zuschreibungen zu versuchen!

Oder etwas wie „irgendwer (wahlweise Nazis oder andere missliebige Personen) hätten kleine „Pimmel“. What about kleine Penisse? What about Masturbation? Herabwürdigung über unabänderliche persönliche Gegebenheiten? Über sexuelle Bedürfnisse, die niemanden sonst tangieren? I don`t get it.

Wenn mir persönlich, z.B. „Was für`n Penner?!“ (für jemanden, der mich nervt) rausrutscht, bin ich froh, wenn mich im nächsten Moment der Ursprung des Wortes einholt (oder falls mal nicht, wenn ich darauf hingewiesen werde). Darauf, wem es warum mit welcher negativer Konnotation allgemein zugewiesen wird. Ich versuche es aus meinem Wortschatz zu verbannen, weil ich es für falsch halte. (Was im Übrigen auf beängstigende Weise irgendwie echt schwierig zu sein scheint.)

Das sind nur einige wenige Beispiele, die mir gerade zu dem Thema in den Kopf kommen. Und der eine Ausfall kann, soll und will dabei nicht mit dem Anderen verglichen werden. Wir alle sollten uns bewusst machen, das Worte Waffen sein können und uns überlegen, wen wir damit treffen (wollen). Ob es uns der Preis für ihren Einsatz wert ist oder ob ein Rückstoß-Kollateralschaden im Umfeld nicht parallel größeren Schaden anrichtet. Am Ende des Tages steht die Frage: In was für einem gesellschaftlichen Klima und für einer Welt wollen wir leben und wie tragen wir alle selbst dazu bei?!

Es sind einige Gedanken, die wir dazu haben, die der Natur eines Statements gemäß, nur angerissen sein können. Sicher weiß manch eine_r über verschiedene Kontexte besser Bescheid, hat weitreichendere Gedanken und/oder kann diese besser formulieren. Wir selbst lernen hoffentlich weiterhin ständig dazu. Uns war es ein Bedürfnis, uns jenseits von Konzertabsagen unsererseits, mal dazu zu äussern.

Reflektion is the key.
Wir sollten versuchen besser zu sein.
Nicht besser als sie, nicht besser als er.
Einfach besser als vorher.

Thx for reading! Hugs, t.